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Schilddrüsenhormon-Therapie: Die Sache mit dem Wohlbefinden

Klein, aber entscheidend für unser Wohlbefinden

Die Schilddrüse ist ein kleines Organ mit großer Wirkung. Sie sitzt vorne am Hals, direkt unterhalb des Kehlkopfes, und beeinflusst nahezu den gesamten Stoffwechsel. Ihre Hormone wirken auf Energieverbrauch, Körpertemperatur, Herz-Kreislauf-System, Muskulatur, Gehirn, Stimmung und Konzentration.

Produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone, spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion. Typische Beschwerden sind Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme, trockene Haut, depressive Verstimmungen, Konzentrationsprobleme oder eine verminderte körperliche Belastbarkeit.

Die Behandlung scheint auf den ersten Blick einfach: Das fehlende Hormon wird ersetzt, meist mit Levothyroxin, also synthetischem T4. Der wichtigste Kontrollwert ist dabei in der Regel der TSH-Wert. Liegt er wieder im Normbereich, gilt die Stoffwechsellage medizinisch meist als ausgeglichen.

Doch genau hier beginnt für manche Betroffene ein schwieriger Widerspruch: Die Werte sehen gut aus – aber das Befinden bleibt schlecht.

Wenn die Werte stimmen, aber der Körper nicht mitzieht – Wo liegt das Problem?

Viele Patientinnen und Patienten erleben unter Levothyroxin eine deutliche Besserung. Der Stoffwechsel stabilisiert sich, die Müdigkeit nimmt ab, die Leistungsfähigkeit kehrt zurück. Für einen Teil der Betroffenen bleibt die Erleichterung jedoch unvollständig.

Sie berichten weiterhin über Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, depressive Verstimmungen, Gewichtsschwierigkeiten, Muskelschmerzen oder das Gefühl, nicht mehr richtig belastbar zu sein. Besonders frustrierend ist das oft deshalb, weil die Laborwerte gleichzeitig „in Ordnung“ sind.

Wichtig zu wissen: Dieses Phänomen ist nicht eingebildet und kein seltenes Randproblem. In der Forschung wird seit Jahren beschrieben, dass ein Teil der Menschen mit behandelter Schilddrüsenunterfunktion trotz normwertigem TSH weiterhin Beschwerden hat – man spricht hier von sogenannten persistierenden Beschwerden. Der Laborwert kann also völlig normal sein, während das subjektive Befinden noch deutlich eingeschränkt bleibt.

Warum der TSH-Wert nicht alles erzählt

In der Standardmedizin ist der TSH-Wert ein sehr wichtiger Laborparameter, wenn es um die Schilddrüsengesundheit geht. Er zeigt, wie stark die Hirnanhangsdrüse die Schilddrüse zur Hormonproduktion antreibt: Ist zu wenig Schilddrüsenhormon vorhanden, steigt TSH. Ist genug vorhanden, sinkt TSH.

Für eine grobe Einschätzung, ob eine Über- oder Unterversorgung vorliegt, eignet sich dieser Laborwert gut. Und genau hier liegt aber auch das Dilemma: Dieser eine Wert kann unmöglich das gesamte Befinden abbilden. Um die tatsächliche Schilddrüsenhormonsituation zu beurteilen, sollten auch die Schilddrüsenhormone selbst – also fT3 und fT4 – ins Visier genommen werden, und nicht ausschließlich TSH. Denn TSH ist streng genommen gar kein Schilddrüsenhormon, sondern ein Hormon der Hirnanhangsdrüse.

Ein normaler TSH-Wert sagt also nicht automatisch aus, ob sich ein Mensch energiegeladen, klar im Kopf und emotional stabil fühlt. Er sagt auch nichts darüber aus, ob andere Faktoren eine Rolle spielen: Hashimoto als Autoimmunerkrankung, Entzündungsprozesse, Übergewicht, Stress, Schlafmangel, ein Eisenmangel, Vitamin-B12- oder Vitamin-D-Mangel, bestimmte Medikamente, hormonelle Veränderungen oder andere Erkrankungen können Beschwerden verstärken oder ganz ähnliche Symptome verursachen.

Gerade deshalb ist es wichtig, nicht nur auf einen einzelnen Laborwert zu schauen, sondern auf das Gesamtbild – und vor allem auf die richtigen Hormone.

Was die Forschung dazu sagt

Studien und Übersichtsarbeiten zeigen, dass die Lebensqualität bei behandelten Patientinnen und Patienten nicht immer vollständig normalisiert ist. Manche Menschen berichten trotz guter Einstellung weiterhin über verminderte Vitalität, psychische Belastung, eingeschränkte Belastbarkeit oder soziale Einschränkungen.

Die genaue Häufigkeit schwankt je nach Studie und untersuchter Patientengruppe. Häufig wird beschrieben, dass etwa 5 -15 Prozent der Betroffenen unter Levothyroxin trotz normwertiger Werte weiterhin symptomatisch bleiben. In Befragungen aus dem Versorgungsalltag liegen die berichteten Zahlen teilweise deutlich höher.

Wie sieht es mit der T3-Therapie aus?

Wenn T4 im Körper erst in das aktivere T3 umgewandelt werden muss, liegt eine Frage nahe: Könnte zusätzliches T3 helfen? Solche Präparate gibt es in der Standardmedizin. Zwei bekannte Präparate wären Prothyrid und Novothyral oder reines T3 als Thybon. Die wenigsten Patienten wissen jedoch davon.

Einige Studien deuten tatsächlich darauf hin, dass bestimmte Patientinnen und Patienten von einer Kombination aus T4 und T3 profitieren könnten – besonders dann, wenn trotz normalem TSH weiterhin Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder depressive Symptome bestehen.

ABER: Trotz aller Verbesserungen, die da,it erzielt werden könnten, empfehlen die Leitlinien eine T4/T3-Kombination nicht (!) routinemäßig. Und das ist auch der Grund warum es nicht oft verordnet wird. Die Studienlage zeigt bislang keinen eindeutigen, verlässlichen Vorteil für alle Betroffenen. Außerdem ist T3 für medizinische Laien deutlich schwieriger zu dosieren, wirkt schneller und kann bei falscher Anwendung zu Nebenwirkungen wie Herzrasen, innerer Unruhe, Schlafproblemen oder Zeichen einer Überfunktion führen.

Ein individueller Therapieversuch könnte in bestimmten Fällen diskutiert werden, leider wird das den wenigsten Patienten angeboten, denn wie schon erwähnt, es ist nicht in den Leitlinien als Standardtherapie definiert.

L-Thyroxin ist aber dennoch nicht alles!

Wenn Sie sich trotz L-Thyroxin-Einnahme nicht gut fühlen, sind Sie damit nicht allein – und Sie bilden sich das auch nicht ein. Es handelt sich um eine Tatsache, die in der Forschung seit Jahren bekannt ist und die in der Medizin noch ernster genommen und besser behandelt werden sollte. Es gibt gute Möglichkeiten, um die Lebensqualität deutlich zu verbessern.

Gerne erkläre ich Ihnen das alles noch ausführlicher und zeige ich Ihnen die für Sie geeigneten Möglichkeiten, damit Sie sich wieder leistungsfähiger, wohler und gesünder fühlen können.