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Normale Schilddrüsenwerte – aber trotzdem Beschwerden?

Viele Menschen kommen mit Beschwerden in die Praxis, die sehr typisch nach einer Störung im Schilddrüsenstoffwechsel klingen: Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Frieren, Konzentrationsprobleme, Gewichtszunahme, innere Unruhe, Stimmungsschwankungen oder das Gefühl, im Alltag nicht mehr belastbar zu sein.

Häufig wurden bereits Blutwerte kontrolliert. Nicht selten lautet die erste Information, die ich von meinen Patienten bekomme: „Die Schilddrüsenwerte sind normal, mir geht es aber dennoch schlecht.“ Ein Dilemma, das ich täglich fast erlebe.

Die Frage ist dann: Können meine Beschwerden dennoch von der Schilddrüse kommen, obwohl einzelne Laborwerte unauffällig erscheinen?

Der Laborwert ist wichtig – aber nicht das ganze Bild!

Schilddrüsenwerte sind ein unverzichtbarer Teil der Diagnostik. Besonders häufig wird der TSH-Wert bestimmt. Er zeigt, wie stark die Hirnanhangsdrüse die Schilddrüse zur Hormonproduktion anregt. Ergänzend können freies T4, freies T3 und Schilddrüsenantikörper Hinweise auf die tatsächliche Versorgung und mögliche Autoimmunprozesse geben.

Trotzdem gilt: Ein einzelner Wert erklärt nicht immer das gesamte Befinden eines Menschen. Laborwerte müssen immer im Zusammenhang mit Beschwerden, Vorgeschichte, Medikamenten, Stressbelastung, Zyklus, Ernährung, Nährstoffversorgung und weiteren Erkrankungen beurteilt werden.

Gerade bei länger bestehenden Beschwerden ist es wichtig, nicht nur zu fragen: „Ist der Wert im Normbereich?“, sondern auch: „Passt dieser Wert zu diesem Menschen und seiner aktuellen Situation?“

Warum sich Betroffene trotz normaler Werte unterversorgt fühlen können

Die Schilddrüse produziert vor allem T4. Dieses Hormon muss im Körper in das aktivere T3 umgewandelt werden. T3 wirkt unter anderem auf Energiehaushalt, Wärmebildung, Gehirn, Verdauung, Muskulatur und Stoffwechselaktivität.

Wenn diese Umwandlung oder die Wirkung der Hormone im Gewebe nicht optimal funktioniert, können Beschwerden entstehen, die an eine Unterfunktion erinnern. Dabei muss die Schilddrüse selbst nicht zwingend schwer erkrankt sein. Manchmal liegt das Problem eher in der Regulation, der Umwandlung oder in begleitenden Belastungsfaktoren.

Mögliche Einflussfaktoren sind zum Beispiel:

  • chronischer Stress
  • Infekte oder Entzündungen
  • Nährstoffmängel
  • starke Diäten oder längere Kalorienreduktion
  • Schlafmangel
  • hormonelle Umbruchphasen
  • bestimmte Medikamente
  • Leber- oder Darmbelastungen

Das bedeutet nicht, dass jede Müdigkeit von der Schilddrüse kommt. Aber es bedeutet, dass anhaltende Beschwerden ernst genommen und differenziert abgeklärt werden sollten.

Typische Beschwerden, die genauer betrachtet werden sollten

Patientinnen und Patienten berichten häufig über eine Kombination verschiedener Symptome. Dazu gehören zum Beispiel:

  • ausgeprägte Erschöpfung
  • geringe Belastbarkeit
  • Frieren oder niedrige Körpertemperatur
  • Konzentrationsstörungen
  • depressive Verstimmung
  • innere Unruhe oder Ängstlichkeit
  • trockene Haut
  • Haarausfall
  • Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährung
  • Verstopfung
  • Zyklusveränderungen
  • Schlafprobleme
  • Muskel- oder Gelenkbeschwerden

Einzeln betrachtet können diese Beschwerden viele Ursachen haben. In ihrer Kombination können sie jedoch Hinweise auf eine hormonelle oder stoffwechselbezogene Dysbalance geben.

Warum die Anamnese so entscheidend ist

Eine sorgfältige Schilddrüsendiagnostik beginnt mit einer genauen Befragung, was natürlich ausreichend Zeit fordert. Es geht darum, das große Ganze zu erfassen, sprich, den Patienten kennenzulernen in seiner komplexen Individualität. Nur so kann ich erkannt werden, welche weiteren Hormone, Abläufe oder Funktionen evt. ursächlich sein können für die Beschwerden. Für mich und meine Arbeit steht die Funktion der Schilddrüse heir natürlich an erster Stelle, denn ohne eine gute Versorgung mit Schilddrüsenhormonen „funktioniert“ der menschliche Gesamtstoffwechsel einfach nicht optimal.

Was eine erweiterte Abklärung beinhalten kann

Auch wenn TSH nach wie vor der Standard in der Kassenmedizin zu sein scheint, alleine lässt es keine gute Aussage zu. Bei anhaltenden und umfangreichen Beschwerden sollte der Blick weiter schweifen. So sind vielfach auch weitere Laborwerte sehr interessant, wie bspw.:

  • freies T4
  • freies T3
  • TPO-Antikörper
  • Tg-Antikörper
  • TRAK bei Verdacht auf Morbus Basedow
  • Ferritin und Eisenstoffwechsel
  • Vitamin D
  • Vitamin B12
  • Selen, Zink oder andere Mikronährstoffe
  • Entzündungswerte
  • Blutzucker- und Insulinstoffwechsel
  • Leberwerte
  • Sexualhormone bei Zyklusbeschwerden

Welche Werte sinnvoll sind, hängt jedoch immer von der individuellen Situation ab. Es geht nicht darum, möglichst viele Laborwerte zu bestimmen, sondern die richtigen.

Wichtig: Keine Selbstbehandlung mit Schilddrüsenhormonen

Davor waren ich immer wieder und bekomme hier auch oft genug mit wie schief das gehen kann! Insbesondere wenn zum das Thema Abnehmen geht, wird vielfach gedacht Schilddrüsenhormone höher zu dosieren. Viel hilft ja bekanntlich viel. In Bezug auf die Schilddrüse lautet die Aussage eher „Weniger ist mehr“. Vor allem T3-haltige Präparate und Schilddrüsenextrakte (NDT) können bei falscher Anwendung zu Herzrasen, Unruhe, Schlafstörungen, Blutdruckproblemen oder in manchen Fällen auch gerne zu einer Gewichtszunahme führen. Deshalb gehört diese Therapie immer nur in erfahrene Hände.

Unser Fazit für heute: Das Ziel ist nicht, Laborwerte „schön“ einzustellen, sondern eine sichere und individuell passende Behandlung zu finden.