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Schilddrüse und Psyche: Das Zusammenspiel von Stimmung, Reizbarkeit und innere Unruhe

Wenn Stimmung, Reizbarkeit und innere Unruhe körperlich mitbedingt sind

Bei Schilddrüsenerkrankungen denken die meisten zuerst an Gewicht, Müdigkeit oder Kälteempfindlichkeit. Weniger bekannt ist, wie stark die Schilddrüse auch das seelische Befinden mitbestimmen kann – sie wirkt schließlich nicht nur im Körper, sondern auch im Gehirn und beeinflusst Antrieb, Schlaf, Stressverarbeitung und emotionale Stabilität.

Wenn man sich selbst nicht mehr wiedererkennt

Viele meiner Patientinnen und Patienten berichten, dass sie „nicht mehr sie selbst“ sind: schneller gereizt, dünnhäutiger, weniger belastbar. Manche erleben depressive Verstimmungen, andere eher innere Unruhe oder Ängstlichkeit. Solche Beschwerden sollten ernst genommen werden – sie sind weder automatisch „nur psychisch“, noch sollte man sie vorschnell allein der Schilddrüse zuschreiben. Meist wirken körperliche, hormonelle und seelische Faktoren zusammen.

Reizbarkeit ist nicht immer Charaktersache

Reizbarkeit gilt gesellschaftlich schnell als persönliche Schwäche. Dabei kann sie ein Zeichen von Überlastung sein – hormonell, energetisch, im Schlaf. Wer das übersieht, sucht die Schuld oft bei sich selbst, was Stress und Selbstzweifel zusätzlich verstärkt.

Besonders bei Frauen relevant

Bei Frauen zeigen sich solche Beschwerden häufig zyklusabhängig – vor der Periode, nach Schwangerschaften, in der Stillzeit oder in den Wechseljahren. Deshalb lohnt sich bei anhaltenden Beschwerden ein Blick nicht nur auf TSH, sondern auch auf freies T3, freies T4, Antikörper sowie Zyklus, Schlaf und Eisenstatus.

Wann abklären?

Besonders wichtig ist eine Schilddrüsendiagnostik, wenn psychische Beschwerden zusammen mit Erschöpfung, Frieren oder Schwitzen, Gewichtsveränderungen, Haarausfall, Zyklusstörungen oder Konzentrationsstörungen auftreten – vor allem, wenn sie nach einer Schwangerschaft, einem Infekt oder starker Belastung begonnen haben.

Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit lassen sich nicht immer rein psychisch erklären. Eine gute Diagnostik nimmt deshalb beides ernst: die psychische Belastung und mögliche körperliche Ursachen.

© Tanja Siebnich. Alle Rechte vorbehalten.