Viele Frauen kennen das: die Wechseljahre klopfen an und der Schlaf wird immer schlechter. Die Nächte werden kürzer, unruhiger und stundenlanges Wachliegen oder lange Einschlafphasen werden zur Herausforderung. Das hat unweigerlich zur Folge, dass die Nerven über kurz oder lang blank liegen, das Energiedefizit immer größer wird und der Tag und die Nacht zur Herausforderung werden. Die Wechseljahre bringen teilweise so viel Veränderung mit, dass manch eine Frau nicht mehr weiß, wo sie anfangen soll, um wieder Ruhe ins System zu bringen. Ich empfehle immer: zuerst einmal den Schlaf.
Und hier wird ein Hormon sehr interessant: Progesteron. Die Rede ist nicht von synthetischen Gestagenen, sondern von bioidentem Progesteron. Der Unterschied ist, dass Letzteres sieht aus wie das körpereigene Progesteron und wird von den Rezeptoren in unseren Zellen genauso angenommen als wäre es unser eigenes. Leider werden die Begriffe Progesteron und Gestagen oft synonym verwendet was nicht richtig ist.
Was passiert mit Progesteron im Körper?
Als Weichkapsel am Abend geschluckt, wandelt die Leber einen Teil des Progesterons in Allopregnanolon um. Anders als Progesteron selbst wirkt dieser Stoff nicht am klassischen Progesteronrezeptor, sondern am GABA-A-Rezeptor im Gehirn, das entspricht demselben Andockpunkt wie bei Beruhigungsmitteln. Der GABA-A-Rezeptor dämpft die Aktivität der Nervenzellen. Allopregnanolon verstärkt diesen Effekt und wirkt dadurch wie ein sanftes, körpereigenes Beruhigungsmittel.
Oral oder transdermal – wo liegt der Unterschied?
Progesteron gibt es nicht nur als Kapsel, sondern auch als Creme oder Gel zur Anwendung auf der Haut (transdermal). Der entscheidende Unterschied liegt im sogenannten First-Pass-Effekt: Nur bei oraler Einnahme passiert das Progesteron zunächst die Leber, wo der Großteil zu Allopregnanolon umgewandelt wird – genau dieser Schritt erzeugt die beruhigende, schlaffördernde Wirkung. Bei transdermaler Anwendung gelangt der Wirkstoff direkt über die Haut in den Blutkreislauf und umgeht die Leber weitgehend, wodurch deutlich weniger Allopregnanolon entsteht. Transdermales Progesteron wird daher eher wegen anderer Effekte eingesetzt, entfaltet aber in der Regel keine vergleichbar starke Wirkung auf den Schlaf. Wer gezielt von der schlaffördernden Wirkung profitieren möchte, greift deshalb meist zur oralen Form, eingenommen am Abend.
Mit sinkender körpereigener Progesteronproduktion sinken auch die Allopregnanolon-Spiegel. Eine bioidente Hormonersatztherapie mit oralem Progesteron kann hier sinnvoll sein.
Hilft Progesteron immer bei Schlafstörungen?
Nicht jede Frau reagiert gleich auf Progesteron. Manche spüren die beruhigende, schlaffördernde Wirkung deutlich, andere berichten eher von Reizbarkeit oder untypischen Reaktionen auf das Hormon – besonders Frauen mit prämenstrueller dysphorischer Störung (PMDD) sollten hier vorsichtig sein. Solche individuellen Unterschiede sind bekannt, aber wissenschaftlich noch nicht vollständig erklärt. Wer also feststellt, dass Progesteron eher wach, ängstlich oder gereizt macht, der sollte das ernst nehmen und erstmal abklären lassen. In solchen Fällen müssen andere schlaffördernde Maßnahmen gefunden werden.